Ich bin ja der Meinung, dass die meisten Luxusgüter einfach nur überbewerteter Mist sind. Diese Meinung vertrete ich besonders bei einigen “Lebensmitteln” wie zum Beispiel Austern oder Kaviar. Jetzt könnte man sagen das es Geschmackssache ist und natürlich ist da auch was wahres dran.
Bleiben wir aber mal bei den 2 erwähnten Produkten. Ich habe beides schon mal probiert und mir hat keines davon auch nur ansatzweise geschmeckt. Austern schmecken mehr oder weniger nur nach Meerwasser und Kaviar einfach nur nach rohen Fisch mit Meerwasser ansonsten ohne alles. Mal etwas übertrieben ausgedrückt. Es gibt sicherlich Leute denen das wirklich schmeckt und die sollen es meinetwegen auch gerne essen, aber meiner Meinung nach essen die meisten diese Produkte nur, weil diese als besonders edel gelten und man so einen gewissen Status zum Ausdruck bringt. Versteht mich nicht falsch ich habe überhaupt nichts gegen gute Produkte und den Preis den diese dann auch haben. Ganz im Gegenteil ich bin, ja nennen wir es ruhig mal Fan von Lebensmitteln mit sehr guter Qualität. Nicht nur weil das zu meinem Beruf gehört.
Wie aber manche Produkte zu wahren Luxusgütern erklärt und dann natürlich auch gnadenlos vernarktet werden, um daraus den größt möglichen Profit raus zu holen, sorgt regelmäßig für Übelkeit bei mir. Besonders wenn dabei die Tiere nicht nur darunter leiden müssen, sondern auch noch bis zur Ausrottung gejagt werden. Als bestes Beispiel kann man auch hier den Stör* erwähnen dessen Rogen, auch bekannt als Kaviar, als Delikatesse gilt.
Erst im 19 Jahrhundert als solche entdeckt, nahm die Jagd auf den Stör erschreckende Ausmaße an. Er stand erst auf dem Speiseplan der Armen, bevor ihn die russische Aristokratie als ein Symbol der “feinen” Lebensweise entdeckte. Von Russland aus begann der Kaviar seinen Siegeszug schließlich durch ganz Europa und das war dann eigentlich der Anfang vom nahen Ende.
In Deutschland gilt der Stör als nahezu ausgestorben und steht unter strengem Naturschutz. Aber auch in den anderen Gebieten in den der Stör vorkommt, ist die Population stark zurück gegangen. Trotzdem steigt Weltweit die Nachfrage nach dem Kaviar, während das Angebot sinkt.
Aus einem Bericht von 2003 heißt es:
Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden hat errechnet, dass 1996 80 Tonnen Kaviar nach Deutschland importiert wurden. Schon 1999 gab es mit 40 Tonnen Einfuhr nur noch die Hälfte der begehrten Delikatesse. 2002 sank der Import auf nur mehr 17,5 Tonnen. In den letzten zehn Jahren ist der weltweite Kaviar-Ertrag von 20.000 Tonnen auf 500 Tonnen pro Jahr zurückgegangen. Der WWF (World Wildlife Fund) schätzt, dass bis zu 95 Prozent des Stör-Rogen in Westeuropa aus illegalen Quellen stammt.
Mit dem Handel von Kaviar läßt sich eine Menge Geld verdienen und nicht umsonst wird dieser auch das “Schwarze Gold” genannt. Wie so oft verdienen hier aber nur die Hintermänner, die das große Geschäft riechen, während die Fischer um ihr Überleben kämpfen. Welche Folgen dieser Kampf hat, zeigt sich deutlich an den Fangmethoden die sich durch den Druck der “Kaviarmafia” entwickelt haben.
Natürlich gibt es Gesetzlich vorgeschriebene Fangquoten und Richtlinien, aber die Überwachung ob diese auch eingehalten werden ist sehr schwer. Gerade in Rußland fehlt den Behörden nicht nur an genügend Beamten und Geld. Von der Korruption brauchen wir erst gar nicht reden. Den Beamten wird an einem Tag mehr Bestechungsgeld angeboten als sie im ganzen Monat verdienen, falls sie überhaupt bezahlt werden können. Und wenn du zu Hause Kinder hast die du versorgen mußt kümmert dich ein Fisch herzlich wenig. Also drückst du ein Auge zu, während die Fischer den Störweibchen noch lebend die Bäuche aufschlitzen, die Fischeier entnehmen und einfach wieder zurück ins Wasser werfen, wo die Fische dann elendig zu grunde gehen.
Von der Entnahme des Kaviars bis zum Verpackung dürfen kaum mehr als 10 Minuten vergehen um die Qualität und die Frische des Produktes zu garantieren. Der Kilopreis für Sevruga- und Osietra-Kaviar liegt zwischen 1000 und 2000 Euro, für ein Kilo Beluga-Kaviar (teuerste Qualität) geht es erst bei 2000 Euro los.
Alternativen gibt es zum Kaviar vom Stör natürlich auch. So wird zum Beispiel Kaviar aus dem Lachs oder der Meeresforelle gewonnen. Ihr Rogen hat einen größeren Durchmesser und eine orange-rote Farbe. Aber welcher Neureiche Möchtegern will schon mit Kaviar angeben auf dessen Verpackung „Kaviarersatz“ oder „falscher Kaviar“ steht. Diese Bezeichnungen sind geläufig um ihn vom exklusiven Stör-Kaviar zu unterscheiden.
Die Wissenschaftler rühmen sich damit, dass sie mit einem neuartigen Genetischen Test besser feststellen können ob der Kaviar von illegal gefangen wurde und wollen den Stör so besser schützen. Meiner Meinung nach geht das aber eher am Ziel vorbei und sie vergessen dabei einen ganz wichtigen Punkt. Wenn sie den Kaviar im Labor haben, ist der Stör schon tot.
Es wird höchste Zeit das wir uns darüber Gedanken machen, wie wir mit unserer Umwelt und damit auch mit uns selbst umgehen. Man muß ja nicht gleich ganz auf Fleisch/Fisch verzichten. Ich selbst habe mir schon oft darüber Gedanken gemacht, aber bin mir selbst nicht ganz sicher, ob ich es wirklich schaffen würde auf Fleisch zu verzichten. Wir sollten uns aber mehr Gedanken darüber machen, was wir essen, woher es kommt und wie es zu uns in den Handel gekommen ist und sollten dieses auch hinterfragen.
Der Wissenschaftler im verlinkten Artikel vom Focus Online sagt es ganz treffend.
„Die Händler sind an legaler Ware interessiert. Sie leben vom Image“
Wenn aber niemand nachhakt, muß sich auch niemand um sein Image sorgen machen.
Man muß nur mal die Augen aufmachen und sich ein wenig informieren und wird (zumindest für ein paar Tage) über das eigene Ess- und Konsumverhalten nachdenken.
* Zum Link: Besonders der erste Absatz ist sehr interessant
Der Europäische Zankapfel
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Wie man angeblich Kaviar selbst herstellen kann, ohne dass es einer merkt:
Sago zubereiten, mit schwarzer Lebensmittelfarbe einfärben (nicht ganz schwarz, eher dunkelgrau) und mit Fischsud vermischen.