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Heute vor 5 Jahren

Von Majoran am Monday, 11. September 2006, u09 14:20
Abgelegt unter Gedanken

Ich glaube so ziemlich jeder kann sich erinner wo er/sie heute vor 5 Jahren war.

Ich war damals Zeitsoldat und gerade wiedermal in Griechenland. Wir haben an diesem Dienstag ein Schiff mit Fahrzeugen für die Truppen im Kosovo entladen. Es war ziemlich heiß und wir hatten den ganzen Tag zu tun. Wir waren im Hafen ziemlich von der Außenwelt abgeschnitten und sowieso keine Zeit uns mit irgendwas anderes zu beschäftigen als mit dem Schiff, Fahrzeugen, Spanngurten, Ketten und irgendwelchen Listen.

Erst am späten Abend machten wir uns auf den Weg zurück in das Hotel in Thessaloniki in dem wir Untergebracht waren. Wir mußten uns noch im Hafen unsere Zivilkleidung anziehen weil in der Stadt eine Demonstration und die Lage ziemlich angespannt war. Man befürchtete das diese irgendwie außer Kontrolle geraten könnte wenn die Demonstranten ca. 20 Deutsche Soldaten sehen würden. Außer der Demo war es ungewöhnlich ruhig in der sonst so belebten Studentenstadt. Irgendwie lag eine merkwürdige Stimmung in der Stadt, die wir trotz dem harten Tag und unserer Müdigkeit spürten.

In der Lobby unseres Hotels hing ein kleiner Fernseher an der Decke und es lief ein Griechischer Fernsehsender. Manche beachteten ihn nicht und begaben sich auf ihre Zimmer. Aber einige darunte auch aich blieben stehen sahen die Aufnahmen die scheinbar aus New York kamen und versuchten herrauszufinden was auf diesen Bildern passierte.

Nur für den Bruchteil einer Sekunde glaubt man das es ein Film war, zu real war das was man da sah. Es war eine unheimlich Atmosphäre in der Lobby, man hörte nichts außer den Stimmen die aus dem Fernseh drangen. Alle standen wie gefroren in der Lobby und blickten fast weggetreten auf  die Mattscheibe. Fassunglosigkeit machte sich breit und unsere Müdigkeit war plötzlich vergessen, irgendwie war jeder wie in Trance.

Die Kameraden, welche gleich auf ihre Zimmer gingen, kamen wieder zurück in die Lobby oder versammelten sich in einem Zimmer. Es suchte irgendwie jeder die Nähe von anderen.  Man versuchte herraus zu finden was da eigentlich geschehen ist. Aber nur selten gelangen ein paar Englische Wörter durch das Griechische Stimmengewirr der Moderatoren zu unseren Ohren durch.  Eines aber wurde uns allen schnell klar, ab diesem Tag wird alles anders. Nichts wird mehr so sein wie es mal war.

Nach und nach klärten uns Bilder und die Angestellten vom Hotel auf was an diesem Tag in New York geschehen ist und was wahrscheinlich der Grund war. Die folgenden Tage versuchte ich Zoé zu erreichen. Ich lernte sie im Jahr zuvor in Amerika kennen und lieben wir waren zusammen und ich versuchte sogar nach Amerika versetzt zu werden. Aber das ist eine andere Geschichte. Just in dieser Woche wollte sie aber nach new York fliegen und ihren Urlaub bei Verwandten verbringen. Ich wußte allerdings nur, dass sie Montag oder Dienstag von Houston nach NY fliegen wollte. Mehr stand bei unserem letzten Telefonat noch nicht fest und jetzt konnte ich sie auch nicht erreichen. Am Mittwoch den 12.9. war so gut wie gar kein durchkommen in die USA und wenn, dann brach die Leitung innerhalb von Sekunden zusammen.

Zwischendurch mu0te ich ja immernoch arbeiten und konnte nicht die ganze Zeit am Telefon hängen. Erst am Donnerstag Mittag erreichte ich die Eltern von Zoé, die ich gerade auf Grund der Zeitverschiebung aus dem Bett klingelte. Glücklicherweise konnten sie mir damals berichten das es ihrer Tochter gut geht und sie sich spontan entschieden hatte ihren Urlaub nicht in New York zu verbringen. Sie gaben mir dann die Festnetznummer der Freundin bei dir sie war und ich konnte sie noch am selben Tag erreichen.

Am Freitag flogen wir dann mit einer TransAll zurück nach Deutschland und ins wohl verdiente Wochende.
Rückblickend betrachtet bin ich ziemlich entäuscht von unseren Vorgesetzten vor Ort. Die es nicht für nötig hielten, uns vor Ort darüber zu informieren was passiert war an diesem einen Tag. Normalerweise wurden wir sonst über alles auf dem laufenden gehalten was in der Welt passiert ist, während wir irgendwo im Einsatz waren. Aber das zeigt auch wie geschockt die ganze Welt von diesem Ereigniss war.

Mein Mitgefühl gilt nicht den Vereinigten Staaten, sondern einzig den Familien, Freunden, Kollegen und allen, die an diesem Tag Menschen verloren haben die sie liebten und immer lieben werden. Menschen deren Verlust kein Krieg, keine Verurteilung von (wahrscheinlichen) Tätern, kein Geld der Welt und kein Kondolenzschreiben von George W. Bush wieder gut machen kann. Angehörigen denen nur die Erinnerung und eine Urne mit Schutt und Asche vom Ground Zero bleibt.


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