Die Welt ist ein Dorf! Wir sprechen alle eine Sprache! Globalisierung! Anglizismus! Denglisch! Integration!
Das sind Sätze und Wörter wie sie uns zur Zeit in Deutschland nur so um die Ohren geschlagen werden. Allen voran schreitet unsere Regierung und schlägt kräftig mit.
Sie erzählen uns wir müssen offener und freundlicher auf die Menschen zugehen. Besonders auf die mit einem anderen Mutterland als Deutschland. (warum heißt es eigentlich fast überall “Mutterland” nur in Deutschland nennen wir es “Vaterland”?)
Wir sollen also … Imigranten, Gastarbeiter, Zugezogene, Ausländer, Fremde, Freunde, Menschen mit offenen Armen empfangen und ihnen den Einstieg in einem für sie fremden Land erleichtern. Ganz außer Frage steht für mich, dass es wichtig ist auf Menschen zuzugehen und ihnen zu helfen. Natürlich haben sie also alle Recht wenn sie sagen, jeder muß dazu Beitragen diesen Menschen den Einstieg in ein “neues” Leben leichter zu machen.
Das hätte ihnen, liebe Politiker aber auch schon viel früher klar werden müssen. Dann hätte man schon eher die Menschen wachrütteln und aufklären können, für ein besseres und aufgeschlosseneres Miteinander. Sicher wären wir in Deutschland dann schon einige Schritte weiter und sicher würde es den meisten von uns dann durchaus besser gehen. Deutschland ist nämlich noch lange nicht so Gastfreundlich und anderen Kulturen gegenüber aufgeschlossen, wie sie es gerne vor, während und nach der Fussball Weltmeisterschaft rausposaunten.
Vielleicht ist das aber auch zu viel verlangt in einem Land, in dem die meisten Menschen noch Grenzen im Kopf haben die das eigene Land einmal trennten. Grenzen die längst eingerissen sind aber in den Köpfen noch so fest stehen, als wurden sie erst vor kurzen aufgebaut. Menschen die ihren Landsleuten noch immer mit Verachtung und teilweise Hass begegnen, weil sie vor der Wiedervereinigung ihres Heimatlandes im anderen Teil des landes lebten. Aber zumindest da sind sich diese Menschen einig, die anderen sind …
Ein Land das vielleicht selbst noch nicht richtig in die Welt integriert ist weil es immer noch mit einem einzigen, ohne Zweifel sehr bösen Kapitel der Weltgeschichte in Verbindung gebracht wird und dem deshalb noch immer ein gewisses Vorurteil am Bein klebt.
Was mich zweifeln läßt, sind die Erfahrungen eines Freundes, welche mir dieser in den letzten Tagen schilderte.
K. kommt aus Jordanien ist 30 Jahre alt hat eine deutsche Frau und ist einer der nettesten und gütigsten Menschen die mir in den letzten Jahren begegnet sind. Seiner Frau zu liebe hat er seine Anstellung als Sous Chef (Stellvertretender Küchenchef) in einem sehr guten Hotel in Jordanien aufgegeben und kam vor ein paar Wochen mit ihr nach Deutschland. Er liebt und lebt für seine Arbeit und machte sich sofort auf die Suche nach einem Arbeitsplatz.
In dem Hotel in dem ich gerade arbeite suchten wir zu dieser Zeit gerade einen Koch der Erfahrung mit der Arabischer Küche hat. In den Sommermonaten haben wir hier nämlich viele Gäste aus dem Arabischen Raum und diesen wollen wir etwas besonderes bieten. Mit K. haben wir die perfekte Besetzung für diese Anforderung gefunden und bieten jetzt eine kleine Arabische Karte mit täglich wechselnden Gerichten an. Darum kümmert sich K. fast allein. Er schreibt also die die Karten und kocht Mittags, sowie auch Abends die Gerichte für die Gäste. Zwischendurch fährt er dann auch noch kreuz und quer durch Wiesbaden zum Einkaufen. Er liebt seine Arbeit und deshalb macht ihm das ganze einen unglaublichen Spaß, trotz der Anstrengungen die bis zu 10 Stunden Arbeitszeit und ein Arbeitsweg von jeweils einer Stunde (Aschaffenburg - Wiesbaden) mit sich bringen.
Natürlich unterstützen wir ihn alle so gut wir können und haben ihn in unserer kleinen Küchencrew sofort herzlich aufgenommen. Leider haben wir aber, wie schon erwähnt nur im Sommer Arabische Gäste und deshalb ist der Arbeitsvertrag von K. befristet. Was wirklich schade ist, wirtschaftlich gesehen aber Sinnvoll und Nachvollziehbar ist. Auch K. versteht das und sucht natürlich weiter nach einem Arbeitsplatz den er dann als nächstes Antreten kann. K. hat überwiegend in 5* Häusern gearbeitet und in den letzten 3 Hotels war er als Sous Chef angestellt. Darauf kann er zu Recht stolz sein, denn dafür hat er lange und hart gearbeitet. Diese Position hat er sich mehr als nur verdient und inzwischen würde ihm auch eine Stelle als Chef de Cuisine (Küchenchef) zustehen.
Er hat sich inzwischen in mehreren Hotels beworben und was er dabei erlebte macht nicht nur ihn wütend. Auch ich kann das Verhalten der Küchenchefs, Personalleiter und Hoteldirektoren nicht verstehen mit denen er bisher Telefonisch und/oder Persönlich sprach. Die ausgeschriebenen Stellen auf die er sich bewarb waren fast ausschließlich die des stellvertretenden Küchenchefs. Die Position hat er nun mal und warum sollte er sich unter Wert verkaufen. Trotzdem sagt er aber, das er auch ein Stelle als Chef de Partie annehmen würde, Was er immer noch besser findet als gar nichts zu haben. Diese Einstellung haben heute nicht mehr sehr viele. Oder warum sitzen in Deutschland über 4 Millionen zu Hause, obwohl es auch Arbeitsplätze gibt?
Ein Hotel in Frankfurt einer großen sehr bekannten und angesehene Hotelkette in Deutschland lud ihn dann auf seiner Berwerbung hin zu einem Gespräch ein. Bei diesem zeigten sie sich auch sehr interessiert an K. auf Grund seiner Erfahrung und bisherigen Leistungen. Das Gespräch war Ausführlich und am Ende sagte man K. das sie mit ihm in Kontakt treten werden. Er kann aber ganz guter Dinge sein und werde bald von ihnen hören. Auch K. hatte ein gutes Gefühl und machte sich gut gelaunt auf den Heimweg. Nach ca. einer Woche bekam er von eben diesem Hotel den ersehnten Anruf und man unterbreitete ihm ein Angebot.
Sie sagten ihm, dass sie wirklich begeistert von ihm waren und ihn gerne einstellen würden. Leider aber könnten sie ihm die Stelle als Sous Chef nicht anbieten, mit der Begründung das er noch nicht so gut Deutsch spricht und sie befürchten das es deshalb Schwierigkeiten mit Mitarbeitern, Kollegen und Lieferanten gibt. Daraufhin sagte K. das er auch bereit wäre als Chef de Partie anzufangen und man sich da sicher einigen könnte. Das Hotel meinte aber sie könnten ihm höchstens eine Stelle als Commis de Cuisine anbieten.
Commis de Cuisine ist die Bezeichnung für einen Jungkoch, also jemand der vor kurzem seine Lehre abgeschlossen hat und seine ersten Berufserfahrungen sammelt. Ihm diese Stelle mit dieser Begründung anzubieten ist ungefähr so, als hätte man zu Frau Merkel nach der Wahl gesagt sie haben die Wahl gewonnen und sie haben auch die Position um Kanzlerin zu werden. Allerdings sind sie eine Frau und das könnte Schwierigkeiten geben, deshalb bieten wir ihnen an, dass sie Abgeordnete im Bundestag bleiben dürfen.
Klar also das K. dieses Angebot nicht angenommen hat. Was aber noch schlimmer ist, für K. brach eine Welt zusammen. Es war nicht das erste Hotel das ihn mit so einer Begründung ablehnte. Es war allerdings das erste, das die Frechheit besaß ihm so ein Angebot zu unterbreiten. Damit haben sie ihm zu verstehen gegeben, dass mehr als 15 Jahre harte aufopfernde Arbeit vollkommen umsonst waren und hier nicht mehr wert sind als ein Fliegenschiss.
Für K. war das ein harter Schlag, ihm setzte das sehr zu. Er wurde Krank und mußte auch ärztlich behandelt werden. Nach 3 Tagen hatte er sich zum Glück wieder erholt. Mir wäre es sicher nicht anders ergangen. Mit sowas ziehen sie einem doch irgendwie den Boden unter den Füßen weg. Er rappelte sich wieder auf und machte sich wieder auf die Suche. So hat er sich auch in einem anderem Hotel in Frankfurt als Sous Chef beworben, wieder hat man ihm mit der bekannten Begründung mitgeteilt das er die Stelle als Sous Chef nicht haben kann. Stattdessen könnte man ihm aber eine Anstellung als Chef de Partie geben. Wenn alles gut läuft und sein Deutsch besser wird, könnteman sich nach drei Monaten noch ein mal zusammen setzen und ihm eventuell den Posten als Sous Chef anbieten. Momentan steht er noch mit dem Hotel in Verhandlungen, deswegen kann und möchte ich noch nicht mehr dazu sagen. Eventuell reiche ich noch Informationen nach.
Ich verstehe ja das es in bestimmten Berufen und bestimmten Positionen notwendig ist, dass man Deutsch sprechen kann. Allerdings muß ich auch sagen, dass es in einer Hotelküche nicht unbedingt notwendig ist. In der Küche kann man sich auch verstehen ohne das man die selbe Sprache spricht, das weiß ich aus Erfahrung und wurde mir auch schon von anderen bestätigt. Außerdem spricht K. ja nun nicht nur Arabisch sondern auch sehr gut Englisch und auch Französisch. Er ist ja auch schon fleißig dabei Deutsch zu lernen. Dabei hilft ihm nicht nur seine Frau die übrigens Lehrerin ist, auch wir helfen ihm und er ist auch bemüht zu lernen und fragt immer nach. Auch die Bedenken das er Bestellungen nicht an Lieferanten weiter geben kann, ist meiner Meinung nach nicht berechtigt. Er kann schon so gut Deutsch, dass er zum Beispiel alle Obst- und Gemüsesorten mit den Deutschen Bezeichnungen benennen kann. Das trifft auch auf Fleisch und andere Dinge zu.
Mir kommt das alles eher so vor, als wären es faule Ausreden um für so wenig Geld wie möglich so viel wie möglich zu bekommen. Ich sehe jedenfalls kein Problem darin jemanden einzustellen und auch eine Führungsposition zu geben der noch nicht so gut Deutsch spricht. Auch das Hotel, in dem ich gerade arbeite sieht das nicht als Problem. Warum das manche Hotels anders sehen, ist mir eher Schleierhaft.
Gerade bei International Erfolgreichen Unternehmen kann ich so ein verhalten nicht nachvollziehen. Auch wenn die Hotels die Personalfragen ganz allein entscheiden, muß es für sie doch wichtiger sein was jemand kann und zu leisten vermag und nicht welche Sprache er spricht. Doch nicht mehr im Jahr 2006.
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Wir leben in einer verrückten Welt und es ist einfach nur traurig was wir manchmal so zu sehen bekommen. Ich denke, oft sind es die Menschen mit kleinen Defiziten, die hart kämpfen aber dann doch abgelehnt werden.
Als Hotelchef würde ich ihn mit Handkuss nehmen. Selbst im Mietwagengeschäft gibt es nicht so viele, die mehr als eine Fremdsprache sprechen. Bleibt zu hoffen, dass sich die Chefetage mächtig ärgert, wenn sie dafür einen anderen Pfosten einstellt …