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Nokia N70 im Alltagseinsatz – Teil 6.2 – Tolles TomTom. Solange man es nicht braucht

von Majoran am Freitag, 28. Juli 2006, in Geplapper

Geschrieben von Sebas

TomTom war ja überhaupt der Grund für mich, mir Ende letzten Jahres das N70 zuzulegen. Ich bin ja bekanntlich ein viel reisender Mensch und so dachte ich mir, sei es ein schönes Feature, mittels Handy jederzeit eruieren zu können, wo ich mich befinde.

Die Erfahrung zeigte schnell, dass ich ein Navigationssystem eigentlich nicht brauche. Nie ergab sich eine wirkliche Notwendigkeit, es zu nutzen. Dafür eignet sich TomTom ganz ausgezeichnet für die Überwachung von Taxi-Fahrern. Folgen Sie der vom Navi empfohlenen Strecke? Und wenn nicht – ergibt sich eine andere Kilometerzahl? Denn natürlich kann das mobile TomTom alles, was die Großen auch können.

Aber von vorn. Wer sich vom N70 navigieren lassen möchte, benötigt dreierlei. Zum einen ein N70. In diesem eine ausreichend große Speicherkarte (wird von TomTom dankenswerter Weise direkt mitgeliefert), darauf die Software und zu guter Letzt einen kleinen GPS-Empfänger von der Größe einer Streichholzschachtel. Empfänger und Telefon kommunizieren via Bluetooth.

Die Installation gestaltet sich denkbar einfach. Karte einschieben, den Installationshinweisen folgen, online registrieren, Code eingeben und so weiter. Nichts, was man heute nicht sowieso ständig machen muss. Eine GEZ-Anmeldung ist komplizierter, teurer und ärgerlicher.

Gemeinsam mit dem Start der Software empfiehlt sich auch das Einschalten des kleinen Empfängers. Die erste Tücke. In der Regel weiß das N70 recht schnell, dass der Empfänger da ist und der wiederum findet binnen Sekunden sein Satelliten-Signal. Wofür im Übrigen keine Sichtverbindung notwendig ist. Das heißt: Das Navi funktioniert auch, wenn der Empfänger auf dem Rücksitz eines Taxis liegt. Oder in der Jackentasche. Aber dazu später mehr.

In der Regel also. Denn ausgerechnet bei den wenigen Malen, in denen ich das Navi wirklich gebraucht hätte, versagte die Kommunikation zwischen Telefon und GPS-Empfänger. Ursache unbekannt. Lösung unbekannt. Das Handy begriff einfach nicht, dass der Empfänger da ist. Neustart hier, Neustart da… Irgendwann lief es. Zufallsprinzip kann man das nicht nennen, denn bislang funktionierte es immer genau dann nicht, wenn es wichtig war.

Bleiben wir also bei den unwichtigen Momenten. Der Taxi-Fahrer-Überwachung zum Beispiel. Wie beim Großen, weiß mein TomTom nach einigen Sekunden bis wenigen Minuten, wo ich mich befinde. Ratzfatz kann ich nun die Zieladresse eingeben. Dabei kennt die Software 98 Prozent aller Orte und Straßen. Nach jeder Buchstaben-Eingabe verringert sich die Zahl der möglichen Adressen, die Auswahl geht dann recht flott.

TOM2Aber das Navi will mehr als nur eine Adresse. Schnellste Route, kürzeste Route, Autobahnen vermeiden, Fußgänger-Route, Fahrrad-Route und begrenzte Geschwindigkeit – das sind die Optionen. Nach Auswahl errechnet die Software blitzschnell den gewünschten Weg, die Kilometerzahl und die voraussichtliche Reisedauer.

Nun kann ich mir die Route in vielerlei Optionen anzeigen lassen. 3D-Karte, 2D-Karte, Pfeile blabla… Alles geht.TOM3Und natürlich auch verbal. Männerstimme, Frauenstimme… Und das in nahezu allen Sprachen. Ich habe mich für die deutsche Sprach-Domina entschieden. Wobei sich im Taxi natürlich empfiehlt, die Stimme auszuschalten. Das Dumme: Das muss man bei jedem TomTom-Neustart wieder tun. So habe ich schon manchen Taxi-Fahrer unangenehm berührt, weil mein Telefon ihn plötzlich anherrschte, wo er lang zu fahren habe.

Der zweite große Einsatz in meinem Fall ist die „Fußgänger-Route“. Als passionierter Läufer lasse ich mich seit einigen Monaten von meiner Hosentasche durch die Straßen führen. TOM4Dem oft neben mir herlaufenden Herzmädchen ist das recht unangenehm. Sie lernt lieber Stadtpläne auswendig.

Ich aber mag es, mich aufs Schlendern und Schauen konzentrieren zu können, während mir das Handy aus der Tasche den Weg zuruft. Einzig störend hier: Das Herzmädchen, dass es einfach nicht schafft, 50 Meter vor der nächsten Kreuzung mal kurz still zu sein, damit ich höre, ob es rechts oder links weiter geht.

Wer den Text bis hierhin ausgehalten hat, soll nun auch belohnt werden. Denn der besondere Coup des TomTom ist der Folgende:

TOM1 Die Software kennt nicht nur Orte und Straßen. Sie verfügt überdies über ein riesiges Wissen über die Standorte von Kinos, Einkaufszentren, Kirchen, Restaurants, Parkhäusern, Touristenattraktionen, Apotheken, Ärzten, Autohändlern, Bahnhöfen, Bibliotheken, Autowerkstätten, Tankstellen, Eislaufbahnen, Fährenterminals und vielen anderen in bestimmten Situationen nützlichen Orten.

Und der Coup im Coup – TomTom kennt oft auch die entsprechenden Telefonnummern. In der Praxis sieht das dann also so aus: Ich stehe in einer fremden Stadt und habe Hunger. Ich starte das Navi. Mit Chance funktioniert es und weiß, wo ich stehe. Ich klicke auf Restaurants, TomTom listet mir alle Restaurants der Umgebung inklusive Entfernungsangabe auf. Ich wähle, TomTom zeigt mir die Nummer, ich rufe an, mache den Tisch klar und lasse mich vom Handy hinführen. Sensationell.

Und da Testberichte ja nur allzu oft sehr männerlastig sind, will ich nicht unerwähnt lassen, dass TomTom auch Aldi- sowie H&M-Filialen sowie jede Menge anderen Shopping-Kram kennt. Auf diese Weise wollte ich dem Herzmädchen mein neues Spielzeug einst nahe bringen, das von ihr nur belächelt wurde. Gelungen ist das nicht. Denn zugegebener Maßen, ist die Software doch recht grob. Sie führte uns zwar zu einem H&M. Und das an einem Tag, an dem das Herzmädchen „ganz dringend“ neue Klamotten brauchte, weil der Kleiderschrank ja „so leer“ sei. Es handelte sich jedoch um einen Baby-H&M, für dessen Sortiment wir zu diesem Zeitpunkt keinen Bedarf hatten. Auch hier versagt TomTom also wieder genau in den wichtigen Momenten.

Dennoch – alles in allem tut das Ding seine Arbeit ganz passabel. Und wollte ich alles auflisten, was diese Software mit Ihren rund 250 MB zu leisten in der Lage ist, wäre der Text fünfmal zu lang. Zehnmal, wenn ich auch noch jede Services beschreiben wollte, die man für ein bisschen Zuzahlung auch noch haben kann (Wetter, Staumeldung, Baustellen-Anzeige etc. pp.). Nun mag man mir zurufen, ich solle mich halt kürzerfassen und nicht so viel drumherum labern. Da aber sage ich: Er wäre trotzdem fünfmal so lang. Ich habe es in einem halben Jahr nicht geschafft, alle Features zu nutzen. Es sind zu viele. In Wahrheit braucht man die natürlich höchst selten. Aber es ist gut, sie in der Hosentasche zu wissen.


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