Es war im Jahre 2003, ich wohnte in Berlin Charlottenburg und in Köpenick verdiente ich mein Brötchen. Da war ich, egal ob mit meinem Bully oder der S-Bahn, schnell mal 45 Minuten unterwegs und hatte 25 Km auf dem Tacho bevor ich ankam. Für den Rückweg brauchte ich in der Regel etwas weniger, da ich meistens bis spät Abends arbeitete und dann war ja nicht mehr so viel los auf den Straßen.
Es war ein Fischrestaurant in dem ich „anschaffen“ ging. Mit den Kollegen kam ich super aus, die waren mir alle sehr Sympathisch. Bis auf den Chef und seine Freundin die Geschäftsführerin war, aber eigentlich von der Gastronomie nicht den blassesten schimmer hatte. Oder würdet ihr euch wohl fühlen wenn die Servicekraft jeden Teller einzeln zum Tisch bringt, weil sie in der anderen Hand das Telefon hat, um ihrer Freundin vorzujammern das sie von ihrem Stecher wieder betrogen und schlecht behandelt wird? Aber das ist eine andere Geschichte. Germerkt haben sie jedenfalls nicht das sie mich nervten, eine echte Küchenhure gibt ihren Kunden immer das Gefühl was besonderes zu sein.
Jedenfalls dachte ich mir aber, das es trotz lustiger Gäste und dem konsumieren von Kakao und Zigaretten mit nicht erlaubten Inhaltsstoffen hinter dem Räucherofen, zeit wird die Lokalität zu wechseln. Durch zufall habe ich erfahren das Ralf Zacherl in der Weinbar Rutz als Küchenchef tätig war. An einem meiner freien Tage faßte ich also den entschluß, mich mal nach Berlin Mitte aufzumachen und besagtes Etablissemant einen Besuch abzustatten.
Ich wußte nicht ob es was bringt, aber ich dachte einen Versuch ist es wert einfach mal nachzufragen ob sie mich einstellen.
Ich betrat als den kleinen und gemütlichen Nobelschuppen und fragte die gutaussehende ThresenschlampeBardame mit zittriger Stimme, ob denn der Herr Zacherl zu sprechen ist. Zu meinem Glück war er auch tatsächlich da und empfing mich nach kurzer Wartezeit. Ich trug ihm mein Anliegen vor, zeigte meine Unterlagen und wir machten etwas Smalltalk. Wie sich rausstellte, brauchten sie tatsächlich ein neues Mitglied für die Küchencrew. Wir vereinbarten also, das ich mich Telefonisch melde sobald ich wußte, wann ich wieder einen freien Tag habe und diesen auch opfern kann. Und so geschah es auch, eine Woche später war es soweit. Ich stand erst in der Umkleide und dann in der Küche neben Ralle. Bevor es an die Arbeit ging, setzte sich das ganze Personal zusammen um gemeinsam zu Mittag zu essen. Es gab Spaghetti, ich glaube Carbonara, aber genau weiß ich es nicht mehr. Nur das es auch nicht anders schmeckte als die Version von Miracoli. Mir wurde der Chef vorgestellt und seine Frau und ich mußte unweigerlich an das Fischrestaurant denken, als ich hörte das sie beide im Restaurant tätig sind. Man unterhielt sich über Gott und die Welt und ich merkte schnell, das ich außerhalb der Küche keine Freunde finden würde. Die lebten in einer anderen Welt, aber egal mein Motto lautet ja: „Ich bin nicht hier um Freunde zu finden“ also wäre das auch kein Problem und ich würde damit umgehen können.
Nach dem Essen sollte es also losgehen und ich wurde kurz eingewiesen wo sich was befindet und was man sonst noch so wissen mußte. Aus dem CD-Player dröhnte die neue Platte von Metallica, die erst seit ein paar Tagen auf dem Markt war. Das war schon eher nach meinem Geschmack, als das geplapper beim Mittagessen. Ich bekam ein paar Aufgaben zugewiesen und absolvierte diese Souverän, trotzdem war ich immer noch so aufgeregt wie 6jährige kurz vor der Bescherung und ich ahnte schon, das dass kein gutes zeichen sein kann. Es kam also was kommen mußte.
Ich bekam 2 Seeteufel in die Hand gedrückt mit den Worten, „Filetiere die mal, brauchn wir für heute Abend“. Kein Problem hörte ich mich noch sagen, als sich schon der Blaue Bildschirm vor meinem inneren Auge öffnete.
Filetieren? Ok! Wie? Hmm!
Ich hatte den schlimmsten Blackout, seit dieser schrecklichen Matheprüfung in der 8. Klasse. Ich wußte was Filetieren ist und ich wußte was ein Seeteufel ist, aber nicht wie ich die beiden Dinge verbinden kann. Die Tatsache das ich zu der Zeit im erwähnten Fischrestaurant tätig war hat mir nicht viel geholfen. Der dortige Chef war kein Freund von Veränderungen, egal ob auf der Karte oder im Laden. Schon gar nicht wenn diese Veränderungen mit mehr Investitionen verbunden waren. Die Gäste waren auch nicht gerade die Leute, die mit Seeteufel oder Kobe-Rind was hätten anfangen können.
Aber zurück zum Thema, ich stand dort also mit dem Messer in der einen und dem Seeteufel in der anderen Hand. Ich hatte keine Ahnung wie ich anfangen sollte und versuchte mich krampfhaft zu erinnern. Ausbildung? Da hatten wir doch öfter Seeteufel! Aber in meinem Kopf war nur leere. Ich begann dann mehr schlecht als recht den Seeteufel zu filetieren, ich glaub es grenzte mehr an Vergewaltigung. Mein verzweifelter Blick und das untalentierte geschnippel blieben natürlich nicht unbemerkt vom Zacherl. Der zeigte es mir dann noch mal wie es richtig geht, ich fühlte mich wieder wie im ersten Lehrjahr und in der Küche hatte für einen moment jeder was zu lachen, als er erwähnt das ich momentan in einem Fischrestaurant arbeite. Hach ja wer den schaden hat … Jedenfalls war das einer der peinlichsten Momente in meinem Leben. Der rest des Abends lief dann glücklicherweise doch noch besser und ich konnte beweisen, das ich doch noch was kann.
Bekommen hab ich den Job damals aber trotzdem nicht. Was allerdings nichts mit dem Seeteufel zu tun hatte, wie mir auch Herr Zacherl später noch bestätigte. Ganz unschuldig war der aber auch nicht, denke ich. Rückwirkend betrachtet, war das aber auch kein großer Rückschlag muß ich sagen. Ich denke ich hätte mich da auch nicht so wohl gefühlt, aber eine interessante Erfahrung war es allemal.
Das habe ich noch niemandem erzählt bisher, so unangenehm ist mir dieser dunkle Fleck auf meiner Weste, aber jetzt könnt ihr euch darüber lustig machen. ;)
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Der Herr hat also wirklich Geheimnisse vor mir. Unglaublich!!! :-o