Diesen Ausspruch hat man selbst als Jugendlicher öfter gehört und dachte genervt “jetzt geht das schon wieder los”. Aber jetzt im fortgeschrittenen Alter von 28 Jahren muß ich sagen, ich kann die alten Säcke von damals verstehen. Wenn ich allein sehe wie sich die Auszubildenden aufführen und was die sich erlauben (können) wird mir schlecht und ich wünschte mir die Prügelstrafe wäre nie verboten worden. Sie können einen Apfel nicht von einer Birne unterscheiden, kennen aber ganz genau ihre Rechte.
Pflichten? Ich hab Pflichten? Davon weiß ich aber nix. Die wurden mir als erstes beigebracht, als ich meine Ausbildung absolviert habe. Danach kam irgend ein anderer Organisatorischer kram und wenn dann noch 2 Minuten zeit war, dann hat man vielleicht erfahren das man auch noch Rechte hat.
Ich hab noch keinen Gastronomischen Betrieb gesehen vorher, in dem die Auszubildenden es so gut haben wie in dem Hotel wo ich zur Zeit arbeite. Die müssen sich hier wirklich nicht tot machen und haben alle Freiheiten.Trotzdem sind sie nur am meckern, machen irgend welchen Blödsinn oder gammeln rum statt ihre Möglichkeiten und die Zeit zu nutzen.
Mal ganz ehrlich, als ich das 2. Lehrjahr begann verlangte mein Chef von mir das ich im á la Carte Geschäft auch mal allein am Herd stehen kann und den Posten schmeiße. Und das hat auch geklappt. Wir mußten die aktuelle Karte können(und diese wechselte alle 14 Tage) und selbstständig Arbeit sehen und diese dann auch erledigen. Hier und heute ist es so das die Kochazubis, egal ob 2. oder 3. Lehrjahr, nicht ein Gericht der Karte wirklich allein kochen können. Außer vielleicht den Hamburger von der Snack-karte, aber selbst den wollen sie mit Cherrytomaten belegen statt normale Strauchtomaten zu benutzen. Kosten ja auch nichts die Dinger. Nun ja, sie müssen also bei jedem Gericht erstmal auf die Karte schauen was überhaupt zu machen ist. Das ganze müssen sie aber mindestens 3 mal wiederholen weil von 12 bis Mittag können sie sich nichts merken. Wissen aber genau wie sie die nächsten 4 Wochen frei haben, mit wem sie zusammen arbeiten müssen, wie sie bei Counterstrike um die ersten drei Ecken kommen ohne angegriffen zu werden oder wann das nächste Album von Bushido oder irgend einen anderen Spacken erscheint.
Den kleinsten Handgriff machen sie erst nachdem sie dazu aufgefordert werden, obwohl sie genau wissen das es gemacht werden muß. Wenn irgendwer sagt das oder das muß noch gemacht werden, bleiben sie erstmal sitzen und warten bis ihr Name fällt. Vielleicht macht der nervige Facharbeiter oder Küchenchef es ja doch selbst. Ich hätte mich damals nicht mal getraut mich hinzusetzen, geschweige denn auch noch sitzen zu bleiben wenn jemand kommt und sagt das und das muß noch gemacht werden. Wenn wir nicht noch im selben moment unseren Arsch erhoben haben, wurde uns eine Sekunde später so in den selbigen getreten, das wir die nächsten 3 Wochen nicht mehr sitzen konnten und in der Berufsschule freiwillig in Mathe an die Tafel gingen um nicht sitzen zu müssen.
Gutes Beispiel heute erst wieder: Das Buffet war zu Ende und alles wurde abgebaut. Kurze zeit später kam der Supervisor aus dem Restaurant und sagte uns(Kollegin, Azubi und ich), das noch Obst und Gemüse das wir zur Dekoration benutzten am Buffet liegt. Allein dafür das es noch draußen liegt hätten wir früher einen Einlauf kassiert. Ohne das jemand was hätte sagen müssen, hätten wir uns aber in jedem Falle darum gekümmert. Heute passiert erstmal nichts. Der Auszubildende blieb erstmal Seelenruhig stehen und freute sich ein zweites Loch in den Arsch. Nach einer Minute registriert er dann mal langsam die pulsierenden Halsschlagadern der Facharbeiter, die zu diesem Zeitpunkt schon mehr Blut und Adrenalin befördern als ein Zug in Indien Fahrgäste.
Moment mal denkt sich also der Stift Auszubildende irgendwas muß ich jetzt tun. Die wollen doch was von mir, oder warum schauen die wie Klaus Kinski? Ach die Deko fällt es ihm ein, wie Schuppen aus den Haaren. Also fragt er: Können wir die nicht liegen lassen bis morgen? Das die Frage ernst gemeint ist, übergehen wir mal ganz ruhig. Er schnappt sich dann also eine Kiste und holt das “Grünzeug” rein. Nun könnte man davon ausgehen das er das gleich wieder ordentlich in die richtigen Kisten verräumt. Also Tomaten zu Tomaten und Orangen auch zu Orangen. Irgendwie kam er aber ziemlich schnell wieder aus dem Kühlhaus raus und da wir unsere “Schweine sowieso am gang erkennen” frag ich doch noch einmal nach um ihm eine Chance zu geben. “Ja, ich hab es verräumt” bestätigt er mir deutlich und Kopfnickend. Jetzt könnte man sich damit zufrieden geben, oder man schaut selbst noch mal nach, weil Schweine Grunzen und komisch gehen.
Ja, nee, is klar!
Noch Fragen?
Da Lügen sie einem Rotzfrech ins Gesicht und glauben wirklich man merkt es nicht. Verdammt! Wohin hab ich schon wieder den Rohrstock gelegt?
Mit dem Lügen haben sie es sowieso. Wenn man als Facharbeiter frei hat, kann man sich zu 90% sicher sein das der Küchenchef am nächsten Arbeitstag einem merkwürdige Fragen stellt. Verbockt der Azubi nämlich was, ist im Zweifelsfall immer der Facharbeiter schuld der just an dem Tag frei hat.
Herr/Frau … hat mir das aber so gezeigt. Ist ja auch einfacher als den Fehler zugeben. Aber ist ja nichts neues das immer die anderen Schuld sind.
Und am Sonntag berichte ich dann, warum die Deutsche Küche und Gastronomie langsam aber sicher den Bach runter gehen wird. Und, warum man nicht mehr kochen können muß, um die Prüfung der IHK zu bestehen.
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Sehr gut geschrieben und Du sprichst mir aus der Seele.